Mal was anderes – Tagebuch eines Buchhändlers

Eins der bestellten Bücher war der Titel „The Female Instructor“, ein frühviktorianischer Ratgeber „für häusliches Glück“. Aus heutiger Sicht liest es sich eher wie ein Ratgeber für häusliche Gewalt und Missstände.

„Tagebuch eines Buchhändlers“, Shaun Bythell, btb

Hallo Bücherwürmer, liebe Filmfreaks!

Heute kommt die Rezension zu „Tagebuch eines Buchhändlers“. Das Rezensionsexemplar habe ich von vorablesen.de erhalten. Vielen Dank dafür! Viel Spaß mit der Rezension, Janne.

Wigtown, Schottland. The Book Shop, die größte Second-Hand-Buchhandlung des Landes, ist ein Paradies für Buchliebhaber. Die Bücherregale reichen bis zur Decke, die Regalböden hängen durch ob ihrer verführerischen Last. Es gibt alles, was das Herz begehrt. Was Sie als Kunde nicht sehen, sind die Probleme im Hintergrund, mit denen sich der Besitzer Shaun Bythell herumschlagen muss. In seinem »Tagebuch eines Buchhändlers« finden Sie alles: exzentrische Kunden, unhöfliche Angestellte und eine ständig leere Kasse, aber auch den Nervenkitzel eines unerwarteten antiquarischen Fundes und den Charme der Küstenkleinstadt Wigtown. Tauchen Sie ein in die Welt des Buchhandels und lassen Sie sich verzaubern! 

Donnerstag, 24. April 
Online-Bestellungen: 3 
Gefundene Bücher: 3 
Eine ältere Kundin erzählte mir, dass das nächste Buch ihres Buchclubs Dracula sei, aber sie konnte sich nicht daran erinnern, was er geschrieben hatte. 
Kasse insgesamt £160,70 
14 Kunden

Zunächst einmal das Cover: Es ist sooo schön und nur deswegen habe ich das Buch damals angeklickt. Es zeigt meinem Traum von einem Buchladen, groß warm, gemütlich und viele, viele Bücher! Die Klappen innen, sind auch wunderschön gestaltet und spiegeln die Atmosphäre, die man während des Lesens spürt, wider. Außerdem gibt es im Buch mehrere Bilder, die am Anfang jedes Monats eingebaut sind und Bezug auf vorher Geschehenes nimmt.

 Das Buch ist immer gleich aufgebaut: Das Datum, Anzahl der Online-Bestellungen und wie viele er davon gefunden hat (manchmal gehen welche verloren 😉 ), dann ein Fließtext über den Tag mit Erzählungen und zum Schluss die heutigen Einnahmen und die Kundenanzahl.

Wie man dadurch schon mitbekommen hat, entsteht kein Fließtext, eingeteilt in Kapitel, sondern die Kapitel sind die einzelnen Tage – mal länger, mal kürzer. Grundsätzlich finde ich die Idee eines solchen Tagebuchs klasse! 

Man hat nur eine Perspektive, man kann nicht mal richtig von einem Erzähler sprechen, hat also nur beschränkte Informationen und nur eine Meinung. Aber genau das macht das Buch aus. Man kriegt alles mit, was Shaun als für wichtig genug erachtet, in sein Tagebuch zu schreiben. Oftmals sind das skurrile Kundenbegnungen, manchmal aber auch Unterhaltungen mit seiner eigensinnigen Mitarbeiterin.

Es gab viele lustige Stellen, bei denen man schmunzeln und lachen musste. Die Charaktere, die öfter vorkommen, sind realistisch beschrieben. Besonders gut hat mir die Beziehung zwischen dem Buchhändler Shawn und seiner Mitarbeiterin Nicky gefallen. Ihr Charakter wurde trotz keiner Dialoge sehr schön rübergebracht. Natürlich kann man nicht sagen, ob sie wirklich so ist, denn man hat nur die subjektiven Gedanken Shauns. Diese Beziehung hat viel Aufmerksam bekommen. 

Das ganze Buch hat auch einen traurigen Aspekt. Es zeigt sehr deutlich, wie sehr eigenständige Buchhandlungen zu kämpfen haben um nicht von großen Ketten oder vom größeren Problem – Amazon – verschlungen zu werden. Unter jedem Eintrag stand wie viel Geld er an dem Tag eingenommen hat. Das war teilweise unter 100€!
Davon muss er neue Bücher einkaufen, seine Mitarbeiter bezahlen, Heizkosten müssen abgezogen werden, ganz abgesehen von alltäglichen Dingen wie Essen. Es war sehr schockierend. Deswegen: In Deutschland gibt es die Buchpreisbindung – Bücher sind überall gleich teuer und die Preise bei lokalen Buchhandlungen entsprechen denen Amazons! Unterstützt die Buchhändler!

Aber Achtung: Wer hier eine sich aufbauende Geschichte erwartet, wird entäuscht! Da es einfache Tagesberichte sind, fehlt ein einheitlicher Plot und Spannungsaufbau. Deswegen habe ich auch so lange gebraucht. Ich hatte nicht das Gefühl unbedingt weiterlesen zu müssen, sondern habe mich nur kurz hingesetzt und 3-4 Seiten gelesen. Für eine kleine Nebenlektüre ist es jedoch geeignet.

Ich gebe dem Buch 3,5/5 ✨ Ich habe noch nie so ein Buch gelesen und es hat mir sehr gut gefallen! Es war witzig und unterhaltsam kurzweilig, sodass man gerne zurück in „The Book Shop“ eintauchen möchte. Ich habe am Anfang etwas gebraucht um reinzukommen und der nicht vorhandene Spannungsbogen macht das Buch „nur“ zu einem Buch für Zwischendurch.

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